










Wu Wu Wurmwärts · Wu Wu Wurmwärts · Wu Wu Wurmwärts · Wu Wu Wurmwärts · Im Rückspiegel auf der Überholspur · Schatten werfen ihre Ereignisse voraus · Die Bäume sind schneller unterwegs als die Menschen · Sie fliehen nach Norden · Raus aus dem Klima der toxischen Menschlichkeit · Im Blick zurück werden sie gerast sein · Vom Schwarzwald nach Norwegen · Die Fichten werden nicht anfangen sich zu verbeugen · Entweder sie strecken sich kerzengerade Richtung Himmel · Oder sie brechen · Und wenn sie brechen · Werden sie sich nicht als gebrochen verstehen · Wu Wu Wurmwärts · Sie zirkulieren · Himmelwärts · Mooswärts · Wu Wu Wurmwärts · Wu Wu Wurmwärts · Himmelwärts · Mooswärts · Sterben und Leben · Wu Wu Wurmwärts · Sind ununterscheidbar · In einem Hinterhof in Berlin · Wu Wu Wurmwärts · Die Zitterpappel wird ihr zittern nicht als Angst erzählen · Oh Zitterpappel du zitterst so schön · Deine Musik so crisp · Dein Tanz so frech · Du wirst uns beschenken ob wir dich lieben oder nicht · Mein Multitasking macht mir Migräne · Dein Singletasking macht mich baff · Krasser als jede Schmerztablette · schickst du mich in die Hängematte · Du machst dein ganzes Leben nichts anderes als dich zum Himmel zu strecken · Als deine Wurzeln wuchern zu lassen · Wu Wu Wurzeln weiß wie weit · Wu Wu Wucher weiß was geht · Wurmwärts · Du widmest dich der Frage · Welche Richtung ist der Himmel · Die Antwort kennst du schon seit dem ersten Tag · Als du dich aufgerollt hast · Als Keimling · Licht sammeln · Licht sammeln · Licht sammeln · Den Wind zum Tanz auffordern · Licht sammeln · Im Wind ein neues Lied erfinden · Licht sammeln · Licht sammeln · Licht sammeln · Ich leg meine Backe auf ein Mooskissen · Lass den Boden für mich weinen · Hör den Wurzeln beim auswandern zu · Wu Wu Wurmwärts · Wu Wu Wurmwärts · Wu Wu Wurmwärts · Wu Wu Wurmwärts >Camille O


Zu radikal · Die gewisse Masse sagt, dass wäre doch · zu radikal · Baumhäuser · Aufgestochene Fingerkuppen · Vermummte Gesichter · mit sehr jungen Augen · Klebende Hände · Asche · vor dem Nebelmeer · Die gewisse Masse muss abgeholt werden · Die gewisse Masse darf nicht zum Brodeln gebracht werden · Die gewisse Masse als permanentes Druckmittel · Die gewisse Masse AH · Wer abgeholt werden will, muss auch bereit sein einzusteigen · bereit sein, sich umzugucken · bereit sein, den Standort zu teilen · Chöre vor den Fenstern der gewissen Masse · Jeden Freitag · Die gewisse Masse ist nicht runter gekommen · Das Gewissen · Hat nur manchmal durch die Scheiben zugehört · Die gewisse Masse ist ein undankbares Publikum · Die gewisse Masse entzieht sich reibungslos · Die gewisse Masse als permanentes Druckmittel · Die gewisse Masse AH · Chöre singen nicht mehr für die gewisse Masse · Der Gesang strahlt nach innen · Er klingt für sich selbst · Chöre sind eine Verklebung im Trotz · Im Trotzdem der Umstände verklebt · Zu neuen Formen · Die gewisse Masse blickt auf das, was andere erleben · Die gewisse Masse will an E-Autos glauben · Die gewisse Masse als permanentes Druckmittel · Die gewisse Masse AH · „Wir sind hier auch für euch und eure Kinder“ · Die Augenpaare hinter den Sturmhauben haben · Schwierigkeiten, Blickkontakt zu halten, · Die Augenpaare hinter den Sturmhauben müssen in Kurven gucken, um weiterhin in ihren graden Uniformen zu stehen · Die verklebten Chöre Päckchen für Päckchen auseinander zu pflücken · Die gewisse Masse AH · Die gewisse Masse AH · Die gewisse Masse AH · Die gewisse Masse kann mich mal · Chöre sitzen jetzt in den Bäumen · Mit gebrochenem Herz hinter den Abbruchkanten · Versammlungen der Ahnungsvollen · Im Tal der Tränen · Chöre sind eine Verklebung im Schmerz · Um im Nebelmeer des Pfeffersprays endlich weinen zu können >Lotte Dohmen

Der Schwarzwald, das unbekannte Wesen. Da wir schon mal da sind, versuchen wir herauszufinden, wie es ihm geht. Derweil haben die Fakten in ihrer existentiellen Dringlichkeit schon seit längerem schlapp gemacht im medialen Konkurrenzkampf. Ein abgegrastes Diskursfeld. Wie ein zerfurchter Tiroler Skihang im Sommer in 2000 Meter Höhe. Lotte sagt: das Wetter hier kann einen – hat sie einen gesagt, oder eine? – ganz schön runter ziehen. Ich sage: deshalb sind die Leute in diesen Regionen auch so abweisend.- Hab ich abweisend gesagt, oder verschlossen? Oder meinte ich nicht eher: Scheiße drauf und engherzig? Und weiss eigentlich gar nicht so genau, wer das sein soll, „die Leute von hier“. Aber ich bin auf alle Fälle misstrauisch gegenüber Baden-Württemberger:innen. Oder auch Tiroler:innen. Und denke an Innsbruck, ich erinnere, dass ich mir dort immer die Frage stelle, warum Menschen auf die Idee kommen, im Schatten hoher Berge Städte zu gründen. Warum sie es vorziehen, sich in klaustrophober Enge zu Hause zu fühlen. Richtig hoch ist es hier gar nicht. Neulich hörte ich eine Sendung über ein Forschungsprojekt, in dem Historiker:innen das Leben einer wohlhabenden Bauernfamilie auf einem Hof im Schwarzwald im 18. Jahrhundert rekonstruiert hatten. Der ganze Wohlstand war mit einem Schlag den Bach runter gegangen, als eine Pockenepidemie ausbrach und 5 der 8 Kinder starben und der Bauer nachts, wahnsinnig geworden, in ein Unwetter ritt, vom Pferd stürzte und starb. Da man mir immer davon erzählt hat, woher „wir“ kommen, denke ich in dieser Umgebung an meine Ancestors. An diesen Ort am anderen Ende des Schwarzwalds, wo mein Urgroßvater ein Sägewerk betrieb. Seine Nachkommen erzählten mir, dass in den letzten Jahren immer öfter Tannen und Fichten aus dem Elsass angeliefert werden, die voller Metallreste von Munition aus dem ersten Weltkrieg sind, und dass das ein Problem sei für die feinen Sägen, und den Wert des Holzes schmälert. Nichts, was keine Spuren hinterlässt. Die Bilder der Frontlinien aus der Ukraine sehen jetzt schon aus wie die aus Verdun. Wie wird es dort erst aussehen, wenn das Problem mit dem Munitionsnachschub gelöst ist? Wieviel CO2 stößt ein Krieg aus, und wieviel spart er ein, weil er Infrastruktur zerstört? Was ist mit den bedrohten Arten in Kriegsgebieten? Ist es nachhaltig, Oldtimerpanzer aus den 50er und 60er Jahren an die Front zu schicken? Der Wald. Der deutsche Wald. Der Wanderer über dem Nebelmeer. Soweit ich weiß, ist hierzulande die weiteste Entfernung von einem Ort menschlicher Zivilisation zum nächsten 16 Kilometer. Freie Natur, falls es sowas geben sollte, seit sich der Mensch in Europa einmischt, hat in Deutschland einen Radius von 16 Kilometern. Den Wanderer über dem Nebelmeer habe ich mal als Hänger in der Hamburger Kunsthalle auf einen Bilderwagen gehoben und rumgefahren – ganz ohne Erbauungserlebnis. Die fucking deutsche Romantik. Meine Beziehung zum deutschen Wald ist unromantisch aber freundschaftlich. Auf alle Fälle ist es ein vertrautes Verhältnis. Um von der Neubausiedlung eines schwäbischen Dorfes zu der Trabantenstadt am Rande einer Schwäbischen Stadt zu gelangen, musste ich den Wald in meiner Teenagerzeit 4 Mal am Tag durchqueren. Ich glaube, es ging ihm soweit ganz gut, er wurde halt kleiner und kleiner bei den Ausbreitungswellen dieser Trabantenstadt. Der Geruch eines abgeholzten Waldes ist sehr speziell. Sehr intensiv. Irgendwie frisch, süßlich und feucht. Der Anblick hunderter oder eher tausender abgeholzter Stämme und die plötzliche Leere gaben mir einerseits so ein Gefühl von Ordnung und Neuanfang. Andererseits war da – wie auch sonst – ein unbestimmter Schmerz von Verlust. Idefixmäßig. Ansonsten, manchmal standen Rehe im Wald. Einmal hatte jemand Pornohefte weggeschmissen, schockierend rosane Körper in lustlosem Lustvollzug. Einmal gab es einen Haufen von Klamotten aus den 50er Jahren, die dann zur Basis meines Outfits als Späthippie wurden, kurz vorm Paradigmenwechsel zum Punk. Und einmal stand plötzlich ein Panzer im Wald. Eine Einheit amerikanischer Soldaten hatte für ein paar Tage ein Feldlager eingerichtet. Über unsere Region hatte die Nato eine zweite Realität gestülpt. Die eines sehr realistischen Kriegsszenarios. >Ted Gaier